Lieder voller       
Idealismus

Der deutschsprachige Liederschatz ist in der Welt einmalig an Umfang und Vielfalt! Hier eine winzige Auswahl:

Der Morgen, das ist meine Freude
Deutschland, heiliges Wort
Es tagt, der Sonne Morgenstrahl
Fliegt der erste Morgenstrahl
Freiheit, die ich meine
Heilig Vaterland
Hohe Nacht der klaren Sterne
Ich hab mich ergeben
Jeden Morgen geht die Sonne auf
Nun will der Lenz uns grüßen
Nur der Freiheit gehört unser Leben
So fröhlich wie der Morgenwind
Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit
Uns ward das Los gegeben
Wann wir schreiten Seit an Seit
Was frag ich viel nach Geld und Gut (2Ausführungen)
Und dräut der Winter noch so sehr

Der Morgen, das ist meine Freude
Joseph v. Eichendorff

  • Der Morgen, das ist meine Freude,
  • Da steige ich in stiller Stund’
  • Auf den höchsten Berg in die Weite:
  • Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
  • Die früheste Stunde am Morgen
  • Ist größer als Lust und Schmerz.
  • Werft von euch Kummer und Sorgen,
  • Schenkt dem Tage ein fröhlich Herz.

Deutschland, heiliges Wort
Eberhard Wolfgang Möller

  • Deutschland, heiliges Wort,
  • Du voll Unendlichkeit!
  • Über die Zeiten fort
  • Seist Du gebenedeit!
  • |: Heilig sind deine Seen,
  •   Heilig dein Wald
  •   Und der Kranz deiner stillen Höh’n
  •   Bis an das grüne Meer! :|

Es tagt, der Sonne Morgenstrahl
Werner Gneist

  • Es tagt, der Sonne Morgenstrahl
  • Weckt alle Kreatur.
  • Der Vögel froher Frühchoral
  • Begrüßt des Lichtes Spur.
  • Es singt und jubelt überall,
  • Erwacht sind Wald und Flur.
  • Wem nicht geschenkt ein Stimmelein
  • Zu singen froh und frei,
  • Mischt doch darum sein Lob darein
  • Mit Gaben mancherlei
  • Und stimmt auf seine Art mit ein,
  • Wie schön der Morgen sei.
  • Zuletzt erschwingt sich flammengleich
  • Mit Stimmen laut und leis’
  • Aus Wald und Feld, aus Bach und Teich,
  • Aus aller Schöpfung Kreis
  • Ein Morgenchor, an Freude reich,
  • Zu Gottes Lob und Preis.

Fliegt der erste Morgenstrahl
Joseph von Eichendorff

    • Fliegt der erste Morgenstrahl
    • Durch das stille Nebeltal,
    • Rauscht erwachend Wald und Hügel:
      Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!
    • Schöner Morgenstrahl!
    • Und sein Hütlein in die Luft
  •     Wirft der Mensch vor Lust und ruft:
  •     Hat Gesang doch auch noch Schwingen,
  •     Nun, so will ich fröhlich singen!
  •     Schöner Morgenstrahl!
    • An den Bergen, an den Seen,
    • Die im Sonnenscheine stehn,
    • Mag er gerne sein und lauschen,
    • Wenn die Bäume lieblich rauschen:
    • Schöner Morgenstrahl!

Freiheit, die ich meine
Max von Schenkendorf, 1783-1817

  • Freiheit, die ich meine,
    Die mein Herz erfüllt,
    Komm mit deinem Scheine,
    Süßes Engelsbild!
  • Magst du nie dich zeigen
    Der bedrängten Welt?
    Führest deinen Reigen
    Nur am Sternenzelt?
  • Auch bei grünen Bäumen
  • In dem lust’gen Wald,
  • Unter Blütenträumen
  • Ist dein Aufenthalt.
  • Ach, das ist ein Leben,
  • Wenn es weht und klingt,
  • Wenn dein stilles Weben
  • Wonnig uns durchdringt.
  • Wenn die Blätter rauschen
  • Süßen Freundesgruß,
  • Wenn wir Blicke tauschen,
  • Liebeswort und Kuß.
  • Aber immer weiter
  • Nimmt das Herz den Lauf,
  • Auf der Himmelsleiter
  • Steigt die Sehnsucht auf 
  • Wo sich Gottes Flamme
    In ein Herz gesenkt,
  • Das am alten Stamme
  • Treu und liebend hängt,
  • Wo sich Männer finden,
  • Die für Ehr und Recht
  • Mutig sich verbinden,
  • Weilt ein frei Geschlecht.
  • Wolltest auf uns lenken
    Gottes Lieb’ und Lust,
    Wolltest gern dich senken
    In die deutsche Brust.
    Freiheit, holdes Wesen,
    Gläubig, kühn und zart,
    Hast ja lang erlesen
    Dir die deutsche Art.

Heilig Vaterland
Nach Rudolf Alexander Schröder, 1914

  • Heilig Vaterland! In Gefahren
  • Deine Söhne sich um dich scharen.
  • |: Von Gefahr umringt, heilig Vaterland!
  •   Alle stehen wir Hand in Hand! :|
  • Bei den Sternen steht, was wir schwören.
  • Der die Sterne lenkt, wird uns hören.
  • |: Eh’ der Fremde dir deine Krone raubt,
  •   Deutschland, fallen wir Haupt bei Haupt! :|
  • Heilig Vaterland, heb zur Stunde
  • Kühn dein Angesicht in die Runde!
  • |: Sieh uns all entbrannt, Sohn bei Söhnen stehn.
  •   Du sollst bleiben, Land, wir vergehn! :|

Hohe Nacht der klaren Sterne
Hans Baumann

  • Hohe Nacht der klaren Sterne,
  • Die wie weite Brücken steh’n
  • Über einer tiefen Ferne
  • D’rüber uns’re Herzen geh’n.
  • Hohe Nacht mit großen Feuern,
  • Die auf allen Bergen sind,
  • Heut’ muß sich die Erd’ erneuern
  • Wie ein junggeboren Kind!
  • Mütter, euch sind alle Feuer,
  • Alle Sterne aufgestellt;
  • Mütter, tief in euren Herzen
  • Schlägt das Herz der weiten Welt!

Ich hab’ mich ergeben
Hans F. Maßmann

  • Ich hab’ mich ergeben
  • Mit Herz und mit Hand,
  • |: Dir Land voll Lieb’ und Leben,
  •   Mein deutsches Vaterland! :|
  • Mein Herz ist entglommen,
  • Dir treu zugewandt,
  • |: Du Land der Frei’n und Frommen,
  •   Du herrlich Hermannsland!:|
  • Ach Gott, tu’ erheben
  • Mein jung Herzensblut
  • |: Zu frischem freud’gem Leben,
  •   Zu freiem frommem Mut! :|
  • Will halten und glauben
  • An Gott fromm und frei;
  • |: Will Vaterland dir bleiben
  •   Auf ewig fest und treu. :|
  • Laß Kraft mich erwerben
  • In Herz und in Hand,
  • |: Zu leben und zu sterben
  •   Fürs heil’ge Vaterland! :|

Jeden Morgen geht die Sonne auf

Hermann Claudius

    • Jeden Morgen geht die Sonne auf
    • In der Wälder wundersamer Runde.
    • Und die schöne, scheue Schöpferstunde,
    • Jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf.
    • Jeden Morgen aus dem Wiesengrund
    • Heben weiße Schleier sich ins Licht,
    • Uns der Sonne Morgengang zu künden,
    • Ehe sie das Wolkentor durchbricht.
    • Jeden Morgen durch des Waldes Hall’n
    • Hebt der Hirsch sein mächtiges Geweih.
    • Der Pirol und dann die Vöglein alle
    • Stimmen an die große Melodei.
    • Waldverborgen und noch nächtebang
    • Wie vor tausend, abertausend Jahren,
    • eh noch Menschen ihre Horcher waren,
    • jubeln sie den morgenseligen Sang.

Nun will der Lenz uns grüßen
Neidhart v. Reuenthal 13. Jht.

    • Nun will der Lenz uns grüßen,
    • Von Mittag weht es lau,
    • Aus allen Wiesen sprießen
    • Die Blumen rot und blau.
    • Draus wob die braune Heide
    • Sich ein Gewand gar fein
    • Und lädt im Festtagskleide
    • Zum Maientanze ein.
    • Waldvöglein Lieder singen,
    • Wie ihr sie nur begehrt,
    • Drum auf zum frohen Springen,
    • Die Reis’ ist Goldes wert!
    • Hei, unter grünen Linde,
    • Da leuchten weiße Kleid’!
    • Heija, nun hat uns Kinden
    • Ein End all Wintersleid!

Nur der Freiheit gehört unser Leben
Hans Baumann

      • Nur der Freiheit gehört unser Leben,
      • Laßt die Fahnen dem Wind.
      • Einer stehet dem andern daneben,
      • Aufgeboten wir sind.
      • |: Freiheit ist das Feuer,
      •   Ist der helle Schein.
      •   So lang sie noch lodert,
      •   Ist die Welt nicht klein. :|
      • Daß die Äcker zum Erntegang reifen,
      • Darum bleiben wir wach,
      • Bis die Sensen die Halme ergreifen,
      • Hüten wir sie vor Schmach.
      • |: Freiheit...
      • Daß dem Lande die Sorgen versinken,
      • Darum stehen wir auf.
      • Unsere Helme das Morgenrot trinken,
      • Eure Herzen reißt auf!
      • |: Freiheit...

So fröhlich wie der Morgenwind
Hans Baumann

    • So fröhlich wie der Morgenwind
    • Ist unser Herz bestellt.
  •         Und blank von der hellen Sonne sind,
             Blank von der Sonne sind
             Der Himmel und die Welt.
     
    • Da ist der Wald nun aufgewacht
    • Und fängt zu singen an.
    • Das Ackerfeld mit seiner Pracht,
    • Mit seiner jungen Pracht
    • Hat sich dazugetan.
    • Der Bach springt von den Hügeln her
    • Und will ins weite Land.
    • Er kommt von Berg und Wolken her,
    • Aus Gottes blauem Meer,
    • Aus Gottes eigner Hand.
    • Er bricht die kalten Felder auf
    • Und singt sein Lied im Wald,
    • Wir aber horchen fröhlich auf,
    • Wir horchen fröhlich auf:
    • Nun kommt der Tag gar bald.

Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit
Hans Baumann                

    • Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit,
    • Wenn die Winde um die Berge singen,
    • Die Sonne macht dann die Täler weit
    • |: Und das Leben, das Leben,
    •   Das wird sie uns bringen. :|
    • Alle kleinen Sorgen sind nun ausgemacht,
    • In die Hütten ist der Schein gedrungen.
    • Nun ist gefallen das Tor der Nacht
    • |: Vor der Freude, der Freude,
    • Da ist es zersprungen. :|
    • In der hellen Morgenfrühe sind wir da,
    • Keiner wird uns hier den Weg vertreten,
    • Die Städte weit und die Felder nah
    • |: Und die Lerchen, die Lerchen,
    •   Die hören wir beten. :|
    • Wie ein blanker Acker ist die Erde jetzt.
    • Her zu uns, daß wir die Saat beginnen!
    • Ein Hunger ist in die Augen gesetzt,
    • |: Neue Lande, neue Lande,
    •   Wollen wir uns gewinnen. :|                
  • Uns ward das Los gegeben
    Werner Gneist

          
    Uns ward das Los gegeben,
  •     Ein freies Volk zu sein.
  •     Ihm wollen wir das Leben
  •     Auf reinem Altar weih’n.
  •     Nie soll in uns sich regen
  •     Haß, Eigennutz und Neid.
  •     In Eintracht woll’n wir prägen
  •     Das Bild der neuen Zeit.
    • Wir sind des Volkes Glieder,
    • Ein Leib sind wir, ein Geist,
    • Der uns beseelt als Brüder,
    • Des Name Deutschland heißt.
    • Die Wurzeln, die uns tragen,
    • Sind tief in uns versenkt.
    • Drum, was wir tun und wagen,
    • Sei alles ihm geschenkt!

Wann wir schreiten Seit’ an Seit’
Hermann Claudius

      • Wann wir schreiten Seit’ an Seit’
    •     Und die alten Lieder singen,
    •     Und die Wälder wiederklingen,
    •     Fühlen wir, es muß gelingen
    •     |: Mit uns zieht die neue Zeit! :|
      • Einer Woche Hammerschlag,
      • Einer Woche Häuserquadern
      • Zittern noch in unsern Adern.
      • Aber keiner wagt zu hadern.
      • |: Herrlich lacht der Sonnentag. :|
      • Birkengrün und Saatengrün:
      • Wie mit bittender Gebärde
      • Hält die alte Mutter Erde,
      • Daß der Mensch ihr eigen werde,
      • |: Ihm die vollen Hände hin. :|
      • Wort und Lied und Blick und Schritt,
      • Wie in uralt ew’gen Tagen
      • Wolle sie zusammen schlagen.
      • Ihre starken Arme tragen
      • |: Unsre Seelen fröhlich mit. :|
  • Was frag ich viel nach Geld und Gut
  • Joh. Martin Müller
    • Was frag ich viel nach Geld und Gut,
  •     Wenn ich zufrieden bin!
  •     Gibt Gott mir nur gesundes Blut,
  •     So hab ich frohen Sinn
  •     Und sing aus dankbarem Gemüt
  •     Mein Morgen- und mein Abendlied.
    • So mancher schwimmt im Überfluß
    • Hat Haus und Hof und Geld
    • Und ist doch immer voll Verdruß
    • Und freut sich nicht der Welt.
    • Je mehr er hat, je mehr er will,
    • Nie schweigen seine Klagen still.
    • Und uns zuliebe schmücken sich
    • Ja Wiese, Berg und Wald,
    • Und Vögel singen fern und nah,
    • Daß alles widerhallt;
    • Bei Arbeit singt die Lerch’ uns zu,
    • Die Nachtigall bei süßer Ruh.
    • Und wenn die gold’ne Sonn aufgeht
    • Und golden wird die Welt,
    • Wenn alles in der Blüte steht
    • Und Ähren trägt das Feld,
    • Dann denke ich, all diese Pracht
    • Hat Gott zu meiner Lust gemacht!
    • Dann preis ich laut und lobe Gott
    • Und schweb’ in hohem Mut
    • Und denk’: Es ist ein lieber Gott
    • Und meint’s mit Menschen gut!
    • Drum will ich immer dankbar sein
    • Und mich der Güte Gottes freun.

Was frag ich viel nach Geld und Gut
Melodie: Chr. Gottl. Neefe, Text: Joh. Martin Miller

Was frag ich viel nach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin!
Gibt Gott mir nur gesundes Blut, so hab ich frohen Sinn!
Drum hab ich Freude im Gemüt und sing mit Lust ein frohes Lied,
am Morgen, am Abend, und wird’ dabei nie müd.

So mancher schwimmt im Überfluß, hat Haus und Hof und Geld!
Doch ist er immer voll Verdruß und freut sich nicht der Welt!
Je mehr er hat, je mehr er will, sein Lied ist stumm, sein Fordern schrill,
nie schweigen seine Klagen still, und hat doch, was er will.

Da heißt die Welt ein Jammertal, und deucht mir doch so schön!
Hat Freuden ohne Maß und Zahl, läßt keinen leer ausgeh’n!
Das Käferlein, das Vögelein, darf sich ja auch des Maien freun,
drum will auch ich stets dankbar sein und fröhlich schaun hinein.

Und uns zuliebe schmücken sich die Weisen, Berg und Wald;
Und Vögel singen fern und nah, daß alles widerhallt!
Zur Arbeit singt die Lerch’ uns zu, die Nachtigall bei süßer Ruh,
am Morgen, am Abend, sie singen immerzu.

Und wenn die goldne Sonn’ aufgeht und wärmt die ganze Welt,
wenn alles in der Blüte steht und Ähren trägt das Feld,
dann denke ich: All diese Pracht hat Gott zu meiner Lust gemacht!
Und frag nicht viel nach Geld und Gut, bin stets nur frohgemut!

Und dräut der Winter noch so sehr
Emanuel Geibel

      • Und dräut der Winter noch so sehr
      • Mit trotzigen Gebärden,
      • Und streut er Eis und Schnee umher,
      • Es muß doch Frühling werden.
      • Und drängen Nebel noch so dicht
      • Sich vor den Blick der Sonne,
      • Sie wecket doch mit ihrem Licht
      • Einmal die Welt zur Wonne.
      • Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
      • Mir soll darob nicht bangen.
      • Auf leisen Sohlen über Nacht
      • Kommt doch der Lenz gegangen.
      • Da bricht die Erde grünend auf,
      • Weiß nicht, wie ihr geschehen,
      • Und lacht zum hellen Himmel auf
      • Und möchte vor Lust vergehen.
      • Drum still! Und wie es frieren mag,
      • O Herz, gib dich zufrieden!
      • Es ist ein großer Maientag
      • Der ganzen Welt beschieden.
      • Und wenn dir oft auch bangt und graut,
      • Als wär’ die Höll’ auf Erden –
      • Nur unverzagt auf Gott vertraut,
      • Es muß doch Frühling werden!