Auszüge aus dem Buch „Völker
und Revolutionen“ von Erich Garnow,
1942 erschienen im Fanfaren Verlag
Nürnberg
Aus dem Kapitel: Arbeit
siegt über Gold
Mit der wirtschaftlichen
Voraussetzung gewann das Deutsche Reich die Voraussetzung für die politische
Handlungsfreiheit. Es war ein Kampf zwischen Arbeit und Gold. Die Arbeitskraft,
wozu wir die Erfindungsgabe unserer geistigen Köpfe zu rechnen haben, war unser
größtes Vermögen, unsere stärkste Waffe (Anm.: s. PISA-Studie 2002). Sie mußte
überall dort in die Bresche springen, wo es an Rohstoffen fehlte. Hinter einer
unsichtbaren Front hatte sich das Gold, das internationale Kapital verschanzt,
abwartend, feindselig, siegessicher. Wie sollte es möglich sein, so viel
Arbeitskraft aufzubringen, um alle fehlenden Rohstoffe durch vermehrte
Arbeitsprozesse herbeizuschaffen! Die deutsche Arbeitskraft hat jedoch den
Kampf gewonnen. Außerhalb des internationalen Börsenspiels, außerhalb der
Goldbewegungen ist es gelungen, eine große Nationalwirtschaft in Schwung zu
halten, ja an Produktionsergebnissen die größten Kapitalländer zu übertreffen.
Freilich nicht ohne Selbstbescheidung, nicht ohne Opfer auf dem
Außenhandelsmarkt; aber im ganzen doch so, daß ein gewaltiges Arbeitsvolumen
entstand, eine gewaltige Höhe der Produktionswerte erzielt und eine gewaltige
Steigerung des Volkseinkommens und des Volksvermögens erreicht wurde. Wir haben
uns im Verbrauch von Kaffee, Tee, Schokolade eingeschränkt, um gleichzeitig
aber große Mittel in die Verbesserung unserer Verkehrswege, für die Sanierung
von Städtevierteln, für den sozialen Wohnungsbau und – nicht zuletzt für die
Wehrhaftmachung unseres Landes aufzuwenden. Die Arbeit hatte sich glänzend
geschlagen, das Gold thronte auf seiner Ohnmacht. ...
Für unsere Betrachtung aber
ist entscheidend, daß die Arbeit über das Gold siegte. Trotz aller
Erschwerungen, wie man hinzufügen kann; denn selbstverständlich haben unsere
Gegenspieler nichts unversucht gelassen, unsere Handelsarbeit zu stören. Wie
wir gesehen haben, sind es namentlich die USA gewesen, die
wirtschaftsfeindliche Maßnahmen gegen uns getroffen haben. Außerdem versuchte
man überall, wo unser Gegenseitigkeitshandel auf Freunde stieß, ein Störfeuer
einzuleiten. Die USA haben dabei in den ibero-amerikanischen Ländern sich alle
Mühe gegeben, uns aus dem Felde zu schlagen; die Engländer wiederum arbeiteten
mit politischen Krediten auf dem Balkan, erklärtermaßen, um den deutschen
Außenhandel zu treffen.
Aber die international-kapitalistische Wirtschaft hat nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen. Das beweist die Tatsache, daß sie immer wieder in die stärksten Krisen gestürzt ist. Auch die Fülle kann zum Verhängnis werden. Der Überfluß ist im kapitalistischen System eine schlechte Ware, weil er schlechte Preise und somit schlechte Profite macht. Oft genug sind daraus große Verluste entstanden. Hatte man vor uns den Vorteil, immer genügend Rohstoffe und Bodenschätze zu besitzen, so hatte man doch den Nachteil, sie oft nicht absetzen zu können. Vor allem aber konnte man untereinander nicht grenzenlose Geschäfte machen – was wollten die USA mit dem kanadischen Weizen oder der australischen Wolle? Was wollte England mit dem nordamerikanischen Getreide, wenn es seine Dominien als Lieferanten nicht benachteiligen wollte? Und was wollte man überhaupt mit so viel Weizen, Baumwolle, Kautschuk, Kaffee, Öl, Gefrierfleisch, Fett? Das war eine Sache, die auch Länder wie Brasilien, Argentinien, Chile etwas anging, Länder, die ihre Waren verkaufen wollten. Auf diesem System des Überflusses thronte der internationale Kapitalismus. Es ist ein System des wirtschaftlichen Unsinns. Unwirtschaftlicher Überfluß auf der einen Seite, ein Überfluß, der unausgesetzt Krisen und Marktverluste mit sich brachte, - auf der anderen Seite Warenhunger der nichtbesitzenden Völker in Europa und in der Welt. Wie ein Unsegen lastet dieser Überfluß auf dem plutokratischen System. ...
Man wird vielleicht
entgegenhalten, daß ein jedes Wirtschaftssystem die Preisbildung auf Grund
einer Anzahl von wirtschaftlichen Faktoren vornehmen muß. Das ist richtig,
ebenso wie richtig ist, daß man die Wirtschaft nicht einfach von der
Verbraucherseite her organisieren kann. Es kommt eben darauf an, ob man von der
Versorgung des Volkes oder von der Macht des Kapitals ausgeht. Im ersten Falle
geht man von der Vollbeschäftigung aus, im letzteren von der „Rentabilität“.
Wir wollen nicht sagen, daß die Wirtschaft und auch der einzelne Betrieb keinen
Nutzen abwerfen braucht, im Gegenteil. Aber hier kommen wir zu dem
Fundamentalsatz unserer Wirtschaftsauffassung, daß Gemeinnutz vor Eigennutz
geht, und zwar durchaus auch in einem volkswirtschaftlich gesunden Sinne.
Wir haben die Arbeit zum
Grundwert der Wirtschaft gemacht, die Plutokratien sind beim Kapital geblieben.
Auch hier wollen wir einschalten, daß wir nicht daran denken, den
Wirtschaftswert des Kapitals zu übersehen. Ohne Kapital keine Wirtschaft. Aber
eine Kapitalwirtschaft, die den Arbeitswert dem Profit nachordnet, die den
Preismechanismus über die Versorgung des Volkes stellt, ist ein Unding. ...
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Unsere Untersuchung über die
Geschichte hat uns gezeigt, daß die demokratischen Revolutionen in der
Entstehung des Interessen-, des Kapitalstaates endeten. Ihr Antrieb, den
Menschen einer neuen Zeit gegen den mittelalterlichen Absolutismus zu
revolutionieren, verlor sich in einem doktrinären Streit über Menschen, Volk
und Staat. Der erste Irrtum bestand darin, den Mensch „von Natur“ für
gleichgeartet zu halten. Der zweite baute sich darauf auf: Die gleichgearteten
Menschen hätten einen gemeinsamen Willen. Der dritte: Man brauchte nur
abzustimmen, und der gemeinsame Wille sei da. Am Ende dieses theoretischen Gedankengangs
stand die vollendete Demokratie, die „Volksherrschaft“. Als die Leidenschaften
und Irrtümer der Revolutionen sich ausgetobt hatten, als sich herausstellte,
daß es so etwas wie eine „Volksherrschaft“ niemals geben könnte, begriffen die
besitzenden Schichten, welcher Vorteil für sie zu gewinnen war, wenn man die
Illusion der Volksherrschaft aufrecht erhielt. So entstand der
Parlamentarismus, der Interessenstaat, in dem die Kapitalmacht je länger je
mehr herrschte.
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Und die Interessen? Die
Demokratien irren sich, wenn sie glauben, daß der neue Staat die Interessen
verkenne oder gering achte. So verschieden die Menschen, so verschieden ihre
Leistungen, so verschieden auch ihre Interessen. Der Ordnungsstaat hat die Aufgabe,
alles das miteinander in Einklang zu bringen, wobei auch, ganz
selbstverständlich, den Interessen Rechnung getragen wird. Aber die Interessen
sind noch nicht der Staat; und auch für sich betrachtet, können die Interessen
sich nicht durch parteiische Abstimmungen in Ordnung und Einklang bringen. Der
Staat braucht den Staatsmann, den Politiker, den Mann, der über den Interessen
steht.
Aber die Freiheit? Wir
wissen vom ersten Blatt unserer Darstellung, daß die Freiheit zu einem Schrei
der Revolution gegen den Absolutismus wurde. Mit Recht. Der Staat der
persönlichen Willkür ist tot, die „göttliche Machtvollkommenheit“ ist dem
politischen Dienst des Staates gewichen. Aber es kann auch nicht die falsche
Freiheit eines falschen Menschenbegriffes sein, desjenigen, der an die Stelle
des absoluten Monarchen den willkürlichen Menschen setzen wollte; der den
willkürlichen Menschen über den Staat und damit über das Gemeinwohl setzen
wollte. Die Herabwürdigung des Staates zum Werkzeug schwankender Interessen
trieb das Gemeinwohl in die Hände der kapitalistischen Ausbeutung.
Und der Mensch? Nichts ist
gewisser, als daß es um ihn geht. Der abstrakte Staat als Ding für sich, ob nun
in der absolutistischen Bestimmung Ludwigs XIV. oder nun in der demokratischen
Robespierres, ist ein Unding, eine Chimäre, ein Scheusal. Wir wollen den
leibhaftigen Staat des natürlichen Menschen, des verschiedengearteten,
zusammenarbeitenden, fleißigen, strebenden, lebensfrohen Menschen. Aber der
Mensch lebt in der Gemeinschaft oder er lebt überhaupt nicht. Und die Freiheit
der Nation ist seine Freiheit. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wird ein neuer
Mensch geboren; wie er dem Staat zu dienen hat, so hat der Staat ihm zu dienen.
Die Freiheit des Menschen aber wächst nur mit seiner Fähigkeit und
Bereitschaft, Pflichten zu erfüllen.
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Der Staat, der dem Volk
dient und nur in diesem Dienst seine politische und moralische Rechtfertigung
besitzt, ist gleichwohl ein Staat der Ordnung, ein Staat der Pflichten und der miteinander
in Einklang gebrachten Interessen.
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Aber der neueren Geschichte
ist der Blutterror auch nach diesen historischen Beispielen nicht erspart
geblieben, ja – es scheint, als hätten die Terroristen der erschütterten
Ordnung nach dem Weltkrieg den anderen Schluß aus der Robespierrschen
Schreckensherrschaft gezogen: daß sie nicht blutig genug, nicht grausam genug
gewesen sei. So nur erklären sich die Umtriebe und Gewalttätigkeiten des roten
Schreckens nach dem Weltkrieg in Deutschland, in Ungarn, in Rußland. In Rußland
hat dieser rote Schrecken einen Blutterror von unvorstellbarer Grausamkeit
entfaltet, es war daher ein bezeichnendes Bekenntnis Moskaus, als es den 18.
März, den Tag des Aufstandes der Pariser Kommune, zum sowjetischen Staatsfeiertag
erklärte. Hinrichtungen und Morde haben in der Sowjet-Union dann ein Vielfaches
der französischen Revolution erreicht – mit dem selben Grundsatz, durch den
Schrecken zu herrschen. ...
Plutokratie und
Bolschewismus sind, wie die Geschichte zeigt, zwei Abarten der Demokratie, die
eine als Clique des bürgerlichen Profits, die andere als blutige Terrorgruppe.
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Mochte die hinterhältige
Politik Georgs III. gegen Friedrich den Großen im Verlauf des Siebenjährigen
Krieges, die selbst Pitt verurteilte, ein gewöhnlicher Akt der britischen
Niedertracht sein, so war die zweideutige Haltung Englands schon im Kriege von
1870/71 ein Protest gegen eine starke deutsche Reichsmacht.
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Die Demokratien nehmen für
sich selbst stets in Anspruch, nationale Einheitsstaaten zu sein, sie nahmen
für sich in Anspruch, darüber hinaus große Kolonialreiche zu besitzen, -
Deutschlands Einheit dagegen verstieß
gegen das „Vertragsrecht“ von 1648. In diesem Zusammenhang wird noch einmal
klar, welche verhängnisvolle Politik von dem Hause Habsburg getrieben worden
ist, als es die Brandfackel des Glaubenskrieges in das deutsche Land
schleuderte, um es in Schutt zu legen, wenn es sich nicht der Hörigkeit Roms
unterwerfen wollte. Auch die Reichsfürsten haben ihren Beitrag zur politischen
Ohnmacht Deutschlands, zum Triumph der Politik Richelieus und Mazarins im Jahre
1648 geleistet; aber am schwersten wiegt doch die reichsverderberische Politik
der habsburgischen Ferdinande in der Zeit von 1618 – 1648. Durch nichts ist
dieses Unheil von den Habsburgern wieder gutgemacht worden.
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Denn das demokratische
Deutschland von 1918 hat vor den Demokratien des Westens selbstverständlich
keine Gnade gefunden. Diese Tatsache ist Beweis dafür, wie völlig die
westlichen Demokratien zu imperialistischen Staatsgebilden geworden waren.
Genauso unaufrichtig, wie die Demokraten in Sachen der nationalen Politik
waren, genau so unaufrichtig waren sie in der internationalen Politik. Es ist
derselbe zweideutige Vorgang, ob es sich nun darum handelt, dem eigenen Volk
eine „Volksherrschaft“ vorzutäuschen, oder die Welt mit humanistischen
Redensarten zu überlisten. Hier wie dort war von Menschlichkeit, von Freiheit,
Selbstbestimmung die Rede. Aber es waren nur Worte – im Augenblick des Sieges
trat der rücksichtslose Gewaltpolitiker hervor.
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Um dieses Leben der jungen
Nationen geht es. Deutschland hat in diesem Kampf den Vortritt des Pioniers. Es
kämpft um seine eigene und um die Sache aller jungen Nationen. ...
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Natürlich werden unsere
Feinde behaupten, wir würden, wenn wir die Beziehungen der Völker neu ordnen,
es nicht anders machen als die Kapitalisten. Wir würden die Reichsmark zur
beherrschenden Währung, Berlin zum internationalen Clearing machen und außerdem
durch das System der wechselseitigen Handelsverträge eine viel stärkere Bindung
der Länder an uns schaffen, als es sie unter der „Meistbegünstigung“ der
Demokraten jemals gegeben hätte. Wir würden, so mögen sie behaupten, an die
Stelle des einen das andere Imperium setzen. Wenn es so wäre, wäre dieser von
London erklärte Krieg ein Machtkampf zwischen England und Deutschland, wie er
einst zwischen England und Spanien, England und Holland, England und Frankreich
gewesen ist. Aber dieser Kampf ist mehr. Als Machtkampf zwischen dem
imperialistischen England und dem aufstrebenden Deutschland haben sich ihn die
Kriegspolitiker in London gedacht. Seitdem ist dieser Krieg jedoch, indem er
Weltprobleme aufwirft, zu einer historischen Entscheidung von epochaler
Bedeutung geworden. Es geht nicht mehr wie einst um Macht gegen Macht, sondern
um eine neue Ordnung der Völkerbeziehungen, um neue Möglichkeiten für
arbeitende Völker. Denn es ist Deutschland völlig Ernst mit dem Kampf der
Arbeit gegen das Gold.
In seinen Bemühungen um
Wirtschaftsfreiheit, um Leben und Luft des deutschen Volkes, von dem
internationalen Kapital bedroht, verteidigt Deutschland sein Recht auf Arbeit
und stellt sich in dem ihm aufgezwungenen Krieg an die Spitze aller Völker, die
sich von dem Joch des internationalen Kapitals befreien wollen, um den vollen
Segen ihres Fleißes zu ernten. Und gerade in diesem Zusammenhang ist der
Einwand, daß eine solche Neuordnung die Beziehungen der Völker verengen würde,
fehl am Platz. Die wechselseitigen Verträge sichern den Nationalwirtschaften
den vollen Nutzen ihrer Erträge, nichts bleibt ungenutzt, nichts verdirbt,
nichts braucht verschleudert zu werde (Anm.: und keine Händlermargen sind an
fremde Nationen abzuführen). ...
Die Arbeit, nicht das Gold
soll herrschen; denn das bedeutet, daß jede Nation nach ihrem Fleiß belohnt
wird, daß das schaffende Volk und nicht das spekulierende Kapital wohlhabend
ist.
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Aber es braucht wohl kaum
vermerkt zu werden, was man in London und New York unter einer „besseren
Verteilung“ des Kapitals in den Ländern versteht: nichts anderes als eine noch
straffere Herrschaft des Kapitals, als eine noch vollständigere Kontrolle der
Weltbörsen. Das geht schon daraus hervor, daß man die Nationalwirtschaften
weiter dem internationalen Markt unterordnen will, auf dem das Kapital und nicht
die Arbeit herrscht. Mit einem solchen System würde auch ein neuer „Völkerbund“
übereinstimmen, wie man ihn sich in London und Washington ausgedacht hat: Die
Völker sollen ihre Souveränität einer solchen internationalen Instanz
unterordnen. Es versteht sich, daß diese Instanz, mehr noch als die Genfer
Liga, das Werkzeug der imperialistischen Demokratien sein würde, die ihre
Gewaltherrschaft dann auch noch mit einer internationalen Polizei auf dem
Nacken der Völker ausüben würde.