Nur die, die etwas zu verbergen haben, haben es nötig, etwas zu verfälschen! Und nur die, die gegen allgemein gültige Werte verstoßen haben und unentdeckt bleiben und so auch ihre künftige Macht erhalten wollen, müssen fälschen.

 
 

 

 

 

 


Passagen aus W. Kammeier

Die Fälschung der deutschen Geschichte

S. 245f: Damit der Gedanke einer universalen, systematischen Verfälschung der Vergangenheit überhaupt ernstlich erwogen werden kann, ist erforderlich, daß bereits eine über das ganze mittelalterliche Europa zerstreute, straff organisierte Gesellschaft vorhanden ist....Wenn eine solche Interessentenvereinigung außer der genügenden Anzahl von Mitgliedern im Besitze der notwendigen wissenschaftlichen und auch materiellen Mittel ist, so liegt die Möglichkeit des Gelingens eines so gewaltigen Planes durchaus vor. Wir werden zugeben müssen, daß im Mittelalter eine machtvolle weltumspannende Organisation, welche über das gehörige wissenschaftliche Rüstzeug verfügte, sehr wohl in der Lage war, eine Fälschungsaktion größten Stils erfolgreich ins Werk zu setzen....Gab es im Mittelalter eine derartige weitverzweigte, einflußreiche und geistig gebildete Vereinigung? Ja, die mittelalterliche Kirche war eine – oder besser die einzige – derartige Organisation!...Glieder dieser großen, einzigartigen Familie saßen im späten Mittelalter an allen Ecken und Enden der abendländischen zivilisierten Welt. Durch gleiche Erziehung, gleiche Tätigkeit, gleiche Sprache, gleiche Lebensanschauung und gleiches Lebensziel fühlten sich die Mitglieder dieses geistlichen  Staates aufs engste miteinander verbunden.

 

S.249: Und doch lag die Fragestellung nach der Möglichkeit und Tatsächlichkeit einer systematischen, universalen Fälschungsaktion sozusagen dicht am Wege. Man hätte schon längst darauf stoßen müssen, wenn nicht jene von der obersten Leitung der Aktion im eigensten Interesse aufgerichtete hohe Mauern aus Autorität und Vorurteil von jeher alle Aussicht versperrt hätte. Die Fälscher spielten selbst ihre ersten Kritiker und haben geflissentlich die allmählich erwachende Kritik der Uneingeweihten in eine fest vorgezeichnete Bahn gelenkt und paralysiert.

 

Die Wahrheit über die Geschichte des Spätmittelalters

Heft 1 S. 53: Und so hatte man fürs ganze Leben eine heillose Angst vor der eigenen Vernunftcourage eingeflößt bekommen. So wurde das Ungeheuerliche Wahrheit: man vertraute einem beschriebenen Stücke alten Pergaments mehr als seiner Vernunft und Lebenserfahrung. Und das war der von den Genossen der Aktion beabsichtigte Endzweck! Geistige Hörigkeit, geistige Leibeigenschaft, in der wir nun schon fünf Jahrhunderte mit den dümmsten und lächerlichsten Methoden und Mitteln, nämlich mit beschriebenen angeblich althistorischen Pergamentblättern, festgehalten worden sind. Jeder freie Atemzug des deutschen Geistes ist bisher gehemmt worden durch eine raffiniert erdachte Zwangsjacke: durch die (mittelalterliche) „Geschichte“, will sagen, durch Tendenzdichtung, die sich als „wahre Geschichte“ vermummte und uns unermüdlich seit Jahrhunderten „aus dem wirklichen Leben“ Lehren verkündet. Allerdings ist die Geschichte die größte, älteste und erfahrungsreichste Lehrmeisterin – aber nur unter der einen Vorbedingung: sie muß unangetastet, muß naturwüchsig, sie muß wahr, echt sein.

 

Heft 2, S. 12: „Öfter aber leistet das Wissen der Geschichte den „Dienst“, daß es neue historische Erkenntnis, solange es geht, niederhält, alle Möglichkeiten gegen die einzige Wirklichkeit ins Feld führt...“ (A. Schweitzer, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, 1926, S.25.) Ich habe in meinen Schriften an soundso viel Stellen auf das alles Natürliche überwuchernde Unnatürliche und Künstliche in der Geschichtswissenschaft ebenso hinweisen müssen wie hier Schweitzer im theologischen Raum. Auf möglichst vieles Einzelwissen, auf einen möglichst großen Rucksack voll isolierter Einzelkenntnisse und Wissensbruchstücke kommt es in erster Linie nicht an, sondern auf das helle Bewußtsein der allem Einzelwissen nötigen Untermauerung durch granitne Grundbegriffe.    

 

S.17: Dem Charakter eines wissenschaftlichen Kritikers müssen zwei unerläßliche Eigenschaften angeboren und selbstverständlich sein: Wahrhaftigkeit und Konsequenz. Durch nichts darf er sich beirren und davon abhalten lassen, eine gefundene Grundwahrheit so rund und plastisch herauszustellen, wie es ihm mit seinen kritischen Mitteln möglich ist. Jede Grundwahrheit ist lebensnotwendig und volksfördernd, und wo man eine solche unterdrücken  wollte, erwüchse der gesunden Entwicklung eines Volkes und letztlich der Menschheit der schwerste Schaden.

 

S. 18: „Die Wahrheit“ sagt Albert Schweitzer, „ist unter allen Umständen wertvoller als die Nichtwahrheit. Dies muß auch von der geschichtlichen Wahrheit gelten.“ Ist nun sogar die Geschichte eines ganzen Weltzeitalters systematisch verfälscht, so gebietet mir, der ich diese Fälschungsaktion aufgedeckt habe, die Pflicht der Wahrhaftigkeit, in unerbittlicher Konsequenz dies Verbrechen an der Menschheit bis in seine letzten Beweggründe und Auswirkungen klarzustellen und zu brandmarken.

 

S. 21: Seitdem ich in meinen Schriften gezeigt habe, daß die uns gegebene Literatur-Überlieferung des Mittelalters bis ins Mark durchsetzt ist von offenkundigen Fälschungsherden, ist es eine Sünde wider Wahrhaftigkeit und Wissenschaftlichkeit, weiterhin auf bloßen ererbten Glauben hin die uns gegebene Literaturmasse für Geschichtsniederschlag anzusehen. Von nun an steht diese angebliche Geschichtsüberlieferung in ihrer Gesamtheit unter dem Verdacht der künstlichen Entstehung, also der Verfälschung. Es geht nun nicht mehr an, vermittels der hergebrachten Methode die Frage der Echtheit durch relative Vergleichung der historischen „Perlen“-Fakten untereinander entscheiden zu wollen, sondern wie in dem Perlenbeispiele müssen wir uns auch hier von der Schale, d.h. von Papier und Überlieferung hinweg an die lebendige Natur wenden. Unsere kritischen Maßstäbe dürfen wir nicht mehr innerhalb der Papierschale suchen, sondern in einer außergeschichtlichen Gegebenheit. Diese Gegebenheit aber ist die lebendige Gegenwartserfahrung! Nur vermittels dieser von mir formulierten absoluten Methode sind wir in der Lage, die Frage nach der wahren Natur der mittelalterlichen Überlieferung (ob echt oder unecht) objektiv gewiß zur Entscheidung zu bringen. Die klassische relative Vergleichskritik hat sich als blinde Scheinkritik entpuppt; wer sie heute noch handhabt, kann füglich auf wissenschaftlichen Charakter seiner Ergebnisse keinen Anspruch mehr erheben.

 

S. 29: Welches sind nun die historischen Welträtsel? Es sind die folgenden:

  1. das psychologische Rätsel der mittelalterlichen Fälscher;
  2. das psychologische Rätsel der „echten“ Urkundenschreiber;
  3. das Rätsel der Verluststatistik mittelalterlicher Handschriften;
  4. das Rätsel des Mangels weltlicher Register und Archive;
  5. das psychologische Rätsel der mittelalterlichen Chronisten;
  6. das Rätsel der mittelalterlichen Rechtsgeschichte;
  7. das Itinerarrätsel

Diese Rätsel kann man noch einmal zusammenballen: in das Rätsel des absichtlichen Widerspruchs, dieses Generalcharakteristikums aller mittelalterlichen Überlieferung....Was es mit diesem Rätsel auf sich hat, wie der absichtliche Widerspruch sich gleichsam wie ein Keil in jedes „Faktum“ hineinschiebt und es in zwei oder mehrere sich widersprechende Teile spaltet, darüber muß man sich in den „Neuen Beweisen“ Aufklärung holen. Diese Taktik ist von den Fälschern mit einer Konsequenz und Unverfrorenheit angewendet, die Bewunderung erregt.

S. 35: Ich weiß nämlich, daß es gar nicht darauf ankommt, was die Fachleute aus diesem oder jenem naheliegenden Grunde heute über meine Ergebnisse für eine Meinung haben, sondern was die Fachwissenschaft in zehn oder dreißig Jahren für ein Urteil fällt. Wie das Urteil dann lauten wird, das ist mir nicht zweifelhaft, vorausgesetzt, daß auch dann noch die Wahrheit wertvoller ist als die Lüge, und das wird der Fall sein, solange noch Deutsche auf der Welt leben.

 

S. 39: Irren war auch im Mittelalter recht menschlich. Nehmen wir nun aber die einzelnen „Irrtums“-Fälle unter die kritische Lupe, so machen wir fast ausnahmslos die überraschende Entdeckung, daß gar kein Irrtum und Versehen vorliegt, sondern der Chronist mit voller Absicht Widersprechendes und anscheinend sogar Unsinniges berichtet. Vergessen Sie nicht, rufen mir die Historiker zu, daß viele derartige Fehler und Widersprüche sich aus dem Parteistandpunkte der Chronikenschreiber erklären lassen. Nichts erscheint einleuchtender als diese Erklärung. Ein Parteischriftsteller kann allerdings aus Liebe zu seinem Helden oder zu einer bestimmten Sache die Ereignisse modifizieren, aber die Historiker vergessen, daß solche Modifikationen im wirklichen Leben ihre Grenzen haben! So ein Parteischriftsteller versteht allerdings die Kunst, eine Niederlage in einen halben Sieg, ja in einen vollständigen Sieg zu verwandeln und die Charaktereigenschaften des Gegners in allerschwärzesten Farben zu malen. Aber ein Parteischriftsteller, der Ereignisse seiner Zeit behandelt, die also allen Zeitgenossen bekannt sind, wird sich hüten, aus Parteinahme beispielsweise den Ort einer allbekannten Schlacht willkürlich zu verlegen oder gar ein angeblich zeitgenössisches bedeutendes Ereignis sich einfach aus den Fingern zu saugen. ...Die Modifikation der Ereignisse bei einem Parteischriftsteller hat also im wirklichen Leben Grenzen! In der gefälschten Überlieferung  freilich braucht der angebliche Parteimann solche Grenzen nicht zu respektieren; hier kann er der Mitwelt die faustdicksten Lügen und Märchen auftischen.

 

Heft 3, S. 6f: Nicht nur die Ursache der Aktion liegt unter einem dichten Schleier verborgen, auch die Aktion selbst spielte sich im Schatten einer sehr geschickt aufgebauten Kulisse ab. „Die universale Geschichtsfälschungsaktion geht in der Gestalt der Geistesbewegung einher, die wir mit dem Namen Humanismus (Renaissance) belegen. Beide Bewegungen (Fälschungsaktion und Humanismus) sind eins.“ Mit dieser Formulierung habe ich in meinem Buch „Die Fälschung der deutschen Geschichte“ aus den dort angeführten Gründen den Zeitpunkt der Aktion an die Schwelle der Neuzeit gelegt und gleichzeitig die sogenannte humanistische Bewegung als die nach außen hin in Erscheinung tretende harmlose Kulisse des Fälschungsdramas gekennzeichnet. ...Der Humanismus ist nicht, wie es den Anschein hat, eine beschauliche Angelegenheit innerhalb der spätmittelalterlichen Studierstuben, nicht bloß eine gelehrte Sache weltabgewandter Bücher- und Wissenschaftsliebhaber, der Humanismus ist vielmehr seiner Entstehung und seiner Aufgabe nach eine eminent kirchen- und profanpolitische Bewegung. Der Humanismus stellt den Versuch dar, ein weltpolitisches System, nämlich die römische Hierarchie, auf dem Untergrunde von Papier und Tinte zu errichten. Er stellt den Versuch dar, einen geistigen Organismus, nämlich die Kirche, statt mit lebendigem Herzblut mit Tinte zu speisen und am Leben zu erhalten. Und dieser wahnwitzige Versuch ist geglückt! Aber wie kann es möglich sein, daß Papier und Tinte den haltbaren Untergrund und das ideelle Kraftwerk einer geistigen Weltmacht abgeben? Das Ungeheuerliche wird dann und dadurch möglich, daß Pergament und Tinte in der Form von „Geschichte“ dargeboten werden. „Geschichte“ und „Überlieferung“ als geheiligte „Tradition“ sind der Wunderquell, aus dem die Romkirche ihren Lebenssaft schöpft. ...Rom brauchte die Geschichte für seine Theologie; und da sich die wirkliche Geschichte des Mittelalters als für die angestrebten Zwecke durchaus untauglich erwies, so wurde sie kurzerhand ausgelöscht und durch eine „Überlieferung“ ersetzt, die den gestellten Forderungen gehorsamst nachkam. Die „Geschichte“ wurde die Magd der Theologie, ja sie verwandelte sich direkt in Theologie. Man kann den Tatbestand auch mit umgekehrter Formel kennzeichnen: Theologie ist Geschichte!

 

Heft 4, S. 7: ...die von mir in die historische Wissenschaft eingeführte absolute Methode.  Ihr Wesen besteht darin: das Überlieferte nicht relativistisch an der Überlieferung selbst zu messen, sondern sich seinen kritischen Maßstab aus der lebendigen Erfahrung zu holen. Die relativistischen Forscher können mir entgegenhalten, daß auch sie bereits gelegentlich nach dieser Methode verfahren hätten. Ganz richtig, gelegentlich und in Hinsicht auf historische Nebendinge wenden auch sie den absoluten Maßstab an. So sagt einmal I. Haller (1): „Man wird doch darauf bestehen müssen, daß Berichte oder Wortauslegungen, die uns zumuten, zu glauben, was der Natur der Dinge nach unmöglich ist, grundsätzlich zu verwerfen sind.“ Das sind goldene Worte, mir aus dem Herzen gesprochen. Nur müssen unsere Historiker mit der absoluten Methode auch Ernst machen. Und erst dann wird es Ernst, wenn man nicht nur gelegentlich und in Nebendingen, sondern grundsätzlich die geschichtliche Überlieferung, und zwar als Ganzes und gerade in ihren Haupt- und Staatsaktionen, mit dem kritischen Maßstab der lebendigen Erfahrung mißt. Das ist also meine Forderung an die Historiker: macht Ernst mit eurer Kritik! Steigt von den Nebendingen hinauf zu den großen geschichtlichen Massiven! Und tretet dann zur endgültigen Beurteilung heraus aus der papiernen Überlieferung, indem ihr die Erfahrung zum obersten Richter über die Wahrheit der Geschichte anruft.

 

S. 20f: bei sorgsamer Erwägung aller verräterischen Umstände ...würden auch die relativistischen Forscher zu der Überzeugung kommen, daß die gesamte ketzerische Literatur deswegen planmäßig vernichtet wurde, um ebenso planmäßig etwas anderes in die Lücke einzustellen. Man würde bei diesem Nachdenken erkenne, daß eben nicht bloß vernichtet ist, sondern auch Neues geschaffen wurde, d.h. Neues gefälscht und für angeblich echt an die Stelle des Vernichteten eingesetzt wurde. Die systematische Ausrottung aller häretischen und echten Aktenstücke und Chroniken bis auf das letzte Blatt wird nur verständlich durch die Erkenntnis: an die Stelle des vernichteten Echten sollte gefälschter Ersatz treten. ...Es läßt sich für die Tatsache der Ausrottung aller echten häretischen Literatur schlechterdings kein anderer Grund ausfindig machen als dieser: Gefälschtes soll in die Lücke geschoben werden.

(Anm.: Was mag bloß den von den Siegern des 2. Weltkriegs erbeuteten Archiven zugestoßen sein, die man bis heute noch „unter Verschluß“ hält?)

 

S. 29: Wer a sagt, der muß auch b sagen, und wer Geschichte fälschen will, muß sie so fälschen, daß sein Erzeugnis zum mindesten wie historisch echt erscheint. Weiter: nichts verstärkt den Schein der Echtheit gefälschter Überlieferung so außerordentlich als die Taktik der Fälscher, gelegentlich mit voller Absicht Ungünstiges von sich bzw. von seiner Sache zu berichten! Und die Väter der Fälschungsaktion waren sehr schlaue Taktiker.

 

S. 54ff: ...in dem Augenblick, als das bis dahin „freie“ Christentum, das eine private Angelegenheit der Seele war, sich dogmatisierte und eine Hierarchie schuf, schlug es zwangsläufig in eine politisierende Religion um. Kein Dogma ohne Hierarchie, und keine Hierarchie ohne Totalitätsanspruch....Damit sich das mit tausend Zweifeln beladene Dogma überhaupt durchsetzen kann, bedarf es dazu notgedrungen der Hilfe durch äußere Autorität. Diese Autorität ist zwar in erster Linie die „Kirche“, d.h. ihre geistliche Beamtenschaft, ihre Hierarchie; aber der Priester als solcher kann ja eine Autorität nur insofern beanspruchen, als er sie wieder – aus dem Dogma herleitet! Der Priester beruft sich auf eine Autorität, die er selbst erst gesetzt hat!...In der Tat, im Dogma und durch das Dogma ist für das Priestertum ausgiebig gesorgt. (Im Dogma haben die Priester selbst ausgiebig für sich gesorgt!)

 

 

 

Soweit Kammeier. Sicherlich fallen dem politisch-zeitgeschichtlich interessierten Leser die Parallelen zur Geschichtsfälschungsmethodik des 20. Jhds. sofort ins Auge.

Das Dogma heute: Demokratie und Menschenrechte, Nebendogmen: Wirtschaft und Profit

Die Priester/Fälscher: Demokraten, Vorstände aller „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ und Bonzen.

Der gemeinsame Kitt: Macht, Geld, Korruption, Angst vor der Wahrheit

 

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